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ICH BIN: “OLGA BIELAWSKA UND PRODUKTDESIGNERIN”

Wer bist du und was machst du?
Ich bin Olga Bielawska und Produktdesignerin.

Nord gegen Süd. Moin oder Servus?
Moivus vielleicht. Seroin klingt nach Medizin. Und definitiv beides. An Bayern liebe ich die Natur, das Essen und das schöne Wetter. Bayern hat einen seltsamen Mix aus Tradition und Fortschritt. Hamburg wiederum hat einen ganz anderen Charme und die Leute sind hier definitiv nicht unterkühlt, ganz im Gegenteil.

Moivus Olga. Bauhaus ist ein Steckenpferd der Deutschen. Die Bauhaus Universität ist demnach nicht unbekannt. Lehrreich und prägend für deine Arbeiten oder hätte es auch eine andere Universität getan?
Weimar war ganz wichtig für mich und meine Entwicklung. Ich wusste vorher nicht wie man ein Produkt entwirft und man wurde einfach ins kalte Wasser geworfen. Fertige einen Stuhl in einer Woche…das war die erste Aufgabe…Hilfe! Die Kreissäge und überhaupt. Das war am Anfang ziemlich hart und auch anspruchsvoll. Aber man durfte seinen Weg frei wählen und vieles ausprobieren. Man man hat gelernt mit den verschiedensten Aufgaben und Herangehensweisen seine individuelle Arbeitsweise zu finden. Interdisziplinär rocks!

Miss Geschick & Lady Lapsus. Dein erstes Label. Ein sogenanntes „Ich gründe mich mal langsam“ – Label oder der Auftakt zu größerem?
Miss Geschick & Lady Lapsus ist aus einem freien Uniprojekt entstanden und war damals ungeplant. Aufgrund der guten Resonanz haben wir es weiter ausgebaut. Einen eigenen Onlineshop gegründet, Produktion im Ausland, den ganzen Papierkram und und und.. ohne überhaupt eine Ahnung von Vertrieb und den ganzen Strukturen zu haben.
Um das zu lernen braucht man einfach Motivation. Und die hatten wir. Und wir haben auch stets gesagt – es gibt nicht diesen einen Weg, man muss Dinge einfach ausprobieren.
Allerdings stellt man sich dann auch vieles anders vor. Die Realität war dann doch einfach zu trocken und unsere Vorstellung war es nicht nur vor dem Rechner abzuhängen, um Mails zu beantworten und Produkte zu verkaufen…Meine Stärke und Leidenschaft liegt im Produkt, im Konzept, in der Ideenfindung.

„Weniger ist mehr“, Mies van der Rohe. Oder darf man auch mal „mehr“?
Wenn „mehr“ Persönlichkeit und eine Geschichte ist – definitiv! Eigentlich soll man viel dürfen im Design, viel ausprobieren und gelegentlich auch schockieren können.
Aber im Einfachen liegt natürlich auch die Herausforderung. Bei der Hocker/Tisch Kollektion „CIRCLE MEETS SQUARE“ habe ich versucht mich auf grundlegende, einfache Formen und Gestaltungselemente zu konzentrieren zu verwenden. Ein Hocker auf vier Beinen. Oder sind es zwei? Schwebt die Sitzfläche?
Traditionelle Materialien und einfache Herstellungsweise waren mir hier wichtig. Dazu habe ich eng mit den Handwerkern zusammen gearbeitet.

„Design steht heute vor Funktion und Preis an erster Stelle.”,
Kiyoshi Sakashita, japanischer Architekt. Schon wahr oder?
Es ist natürlich die Frage was man unter Design versteht. Mich stört der inflationär verwendete Begriff. Design wird häufig als Beschreibung für eine Oberflächlichkeit verwendet, um zum Beispiel eine Klobrille mit Seeigel Print in der aktuellen Kollektion vom Discounter aufzuwerten.
Ich sehe Design als eine Entwicklung an. Von der Initialzündung bis hin zur Realisierung. Dazu gehören wichtige Punkte wie auch Funktion, Gebrauch, Nutzen und ein nachzuvollziehender Gegenwert. Design ist all das und diese Aspekte sind im Idealfall nicht von einander zu trennen.

Wie beschreibst du deinen Stil?
Einfach und klar. Dazu aber mit einem gewissen Etwas. Ich liebe es Gegenstände zu kreieren die eine Persönlichkeit entwickeln. Sei es durch Einzigartigkeit oder Langlebigkeit. Etwas das nicht laut schreit aber die Melodie die man leise hört zu einer schönen Erinnerung wird.

Was reizt dich so an Produktdesign?
Das dreidimensionale. Die Verbindung zwischen grafischen und architektonischen Elementen. Reale Problemstellungen aber auch die Möglichkeit etwas total schräges zu machen… Wenn ich meine eigenen Produkte entwickle gehe ich meistens von einem speziellen Material oder der Herstellungsweise aus und das gerne etwas unkonventionell.
Das „Neeeeein Olga – daaaas geht nicht“ von Handwerkern ist für mich dann auch eher ein Ansporn etwas zu versuchen. Es geht auch manchmal schief aber wenn es klappt kann etwas wunderbar neues entstehen.

Woran arbeitest du zur Zeit?
Für die Möbelmesse in Mailand habe ich ja gerade eine Kollektion aus verschieden Produkten fertig. Hocker, Beistelltische, zwei Spiegel, eine Leuchte und eine Schale.
Jetzt fängt die eigentliche Arbeit an: die Objekte weiterzuentwickeln und eine passende Firma finden die diese realisiert.
Ansonsten plane ich eine Wasserglasserie aus mundgeblasenen Glas.

Wo kann man deine Arbeiten demnächst mal real sehen?
Die Leuchten und Spiegelserie die ich letztes Jahr für Belgische Firma Trizo21 entwickelt habe ist in Serie gegangen und wurde auf der diesjährigen Light&Building in Frankfurt vorgestellt.
Von daher hoffe ich dass man die „Sirens“ bald ganz oft irgendwo real zu sehen bekommt.

Mehr von ihr auf ihrer Website: bielawska.de

© Fotos: Sirens_OlgaBielawska_Trizo21 = Trizo21
EnmashedWithTheFisherman_OlgaBielawska = Dorian Kautz
Rest: Eike Krebs/ Bildwert

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